No-Go-Areas in Deutschland - Duisburg-Marxloh

Chronologie des Verfalls

Bis in die 70er-Jahre war Duisburg-Marxloh eine beliebte Einkaufs- und Wohngegend. Deutsche und Gastarbeiter lebten und arbeiteten hier zusammen in den Werken. Dann die entscheidende Wende: Die Stahlindustrie bricht ein, Tausende verlieren ihre Arbeit. Die besser ausgebildeten, meist jungen Arbeitskräfte verlassen das Viertel. Die Abwärtsspirale nimmt ihren Lauf: Der Massenabzug führt zu sinkenden Immobilienpreisen. Zurück bleiben die weniger kaufkräftigen Bewohner und Migranten. Mittlerweile bezeichnen selbst Polizisten Marxloh als No-Go-Area. Im Sommer 2015 wurde eine Hundertschaft der Polizei dauerhaft in Duisburg stationiert, um am Abend die Sicherheit in Marxloh aufrecht zu erhalten. Eine weitere Eskalationsstufe wurde 2013 mit der Entscheidung der EU erreicht, Bulgaren und Rumänen die Arbeitnehmerfreizügigkeit zu gewähren: sie durften nun Arbeitsplätze in der EU frei wählen. 4700 von ihnen entschieden sich für Marxloh.

Machtstrukturen im Bezirk, Machtspiele mit der Polizei

Mittlerweile liegt Marxloh in den Händen dreier libanesischer Großfamilien. Diese Großfamilien erkennen die Polizei als Autorität nicht an. Einzelne Straßenzüge wurden von Rumänen oder Kurden übernommen. Im Maghreb-Viertel, in dem viele Marokkaner leben, treffen sich nordafrikanische Banden, um Straftaten zu verabreden. Insbesondere Zuwanderer aus Bulgarien und Rumänien sind für die Vermüllung im Viertel verantwortlich und stellen auch das Hauptklientel für Diebeszüge. Selbst kleine Kinder werden bereits als Diebe ausgemacht. Zuletzt wurde ein achtjähriges Mädchen mehrfach beim Diebstahl erwischt.

Schilderungen von Anwohnern

Die Anwohner sind dem Treiben schutzlos ausgeliefert. Sie werden durch Banden eingeschüchtert, die die Straßen für sich reklamieren. "Es gibt Hinweise darauf, dass Anwohner und Geschäftsinhaber aus Angst vor Repressalien Straftaten durch Mitglieder dieser Gruppen nicht anzeigen" - so steht es in einem internen Polizeipapier. Straßenbahnlinien nähmen die Menschen abends und nachts "als Angsträume wahr". Dort ereignete sich auch folgender Vorfall: Einem Straßenbahnfahrer lief ein Kind vor die Bahn. Blitzschnell formierte sich eine aufgebrachte Menge, blockierte den Wagen und schlug auf die Scheiben, um den Fahrer aus dem Waggon zu zerren. Ähnliche Geschichten aus dem Einkaufsviertel: “Viele ältere Menschen trauen sich nicht mehr hierher - aus Angst, angepöbelt oder angebettelt zu werden", berichtet eine Anwohnerin. Im Einkaufszentrum herrschen anarchische Züge: Pommes-Mayonnaise an die Kleiderständer,Waren, die durch die Gänge geworfen werden, Getränke, die ohne zu bezahlen geöffnet werden, so berichtet eine Verkäuferin. Kürzlich wurden zwei Frauen in einer Bankfiliale krankenhausreif geprügelt.

Alltag der Polizisten

Im Fall des Einkaufszentrums befindet sich die nächste Polizeistelle sogar nur 50 Meter entfernt, doch auch diese rückt nur noch mit Verstärkung aus. Bei kleinsten Verkehrsunfällen oder Feststellung der Personalien werden Polizisten schnell von größeren Gruppen, meistens junge Männer mit Migrationshintergrund, umstellt. Polizisten berichten darüber, dass sie oft Angst bei den Einsätzen haben. Man überlege sich zwei Mal, ob man einen Drogen konsumierenden Autofahrer anhält oder lieber darüber hinwegsieht, weil man sonst in eine Schlägerei verwickelt werden könnte. Schnell werde aus einem Unfall schon mal eine Schlägerei mit 40 Personen. Offene Feindseligkeit begegne den Polizisten jeden Tag. Beispielsweise fahren schon lange keine Polizistinnen mehr alleine Streife. Polizisten und vor allem weibliche Beamte sehen sich einer "hohen Aggressivität und Respektlosigkeit" gegenüber. Eine interne Analyse des Duisburger Polizeipräsidiums warnt vor dem Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung, sollte sich die Lage weiter verschärfen. Rainer Wendt, Duisburger und Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft: "Dieser Teil Duisburgs gerät außer Kontrolle des Rechtsstaates. Die Polizeikräfte bekommen das täglich zu spüren, durch Beschimpfungen, gewalttätige Attacken und die offene Demonstration von Staatsverachtung."

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Schlagworte

Ghetto No-Go-Area Migration Kriminalität Integrationsverweigerung